Aktuelles zum Fußball regional

Aktuelles zum Fußball regional

 

Bericht der Rhein-Zeitung (René Weiss) vom 29.11.2020:

Rot-Weiß Koblenz: Ball soll ab drittem Adventwochenende wieder rollen

Noch hat es die Regionalliga-Südwest GbR nicht offiziell bestätigt, aber nach dann anderthalbmonatiger Spielbetriebspause scheinen sich die 22 Mannschaften darauf einstellen zu können, am dritten Adventwochenende die Punktrunde fortzusetzen.

Als sich die Bediensteten der Liga-Geschäftsstelle am Freitagnachmittag ins wohlverdiente Wochenende verabschiedeten, machte Geschäftsführer Sascha Döther die neue Corona-Verordnung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz als Zünglein an der Waage aus. Schließlich hatte die Auslegung der Politiker in Mainz, dass Viertliga-Fußball nicht zum Profibereich zählt und damit genauso wie die Amateure vom Trainings- und Spielbetriebsverbot betroffen ist, Anfang November die Regionalliga auf Eis gelegt. Als das rheinland-pfälzische Ministerium dann im Laufe des Freitags seine neuen „Spielregeln“ im Kampf gegen die Pandemie veröffentlichte, wirkten die Zeilen wie ein Startkommando für die Viertliga-Teams aus dem Südwesten Deutschlands. Rheinland-Pfalz erkennt die Fußball-Regionalliga Südwest genauso wie alle 3. Ligen olympischer und paralympischer Sportarten an, sodass sich auch die Kicker von TuS Rot-Weiß Koblenz darauf einstellen, nach einer zweiwöchigen Trainingsphase wieder in den Wettkampfmodus wechseln zu dürfen.

Ende vergangener Woche hatten die Spielkommission der Regionalliga Südwest GbR im Einvernehmen mit der Gesellschafterversammlung noch einmal bekräftigt und mit den Vereinen im Rahmen einer Videokonferenz besprochen, dass die Saison ihre Fortsetzung findet, wenn der Trainings- und Spielbetrieb in allen vier Bundesländern gemäß entsprechender Verfügungslage möglich ist. Dieser Zeitpunkt ist nun gekommen, sodass nach kurzer Vorbereitungszeit am Wochenende vom 11. bis 13. Dezember die Rückkehr in die Stadien erfolgen soll.

Fußball-Fanatiker Heiner Backhaus freut sich im Sinne aller, die Deutschlands Sportart Nummer eins lieben, dass es wieder losgeht, allerdings muss der Trainer von TuS Rot-Weiß Koblenz bei der Beurteilung des „Re-Starts“ natürlich auch seine persönliche Sicht der Dinge miteinbeziehen. „Als Fußballer fieberst du natürlich jedem Spiel entgegen und wir wollen auch weiterspielen, andererseits ist die Wettbewerbsverzerrung riesengroß. Anders als die Mannschaften aus Hessen, Baden-Württemberg und dem Saarland durften wir nicht trainieren und werden jetzt ins kalte Wasser geworfen. Aus sportlicher Sicht vermisse ich bei den ganzen Corona-Verordnungen eine klare Linie. Alle Mannschaften müssen die gleichen Chancen haben, aber in den vergangenen Wochen wurde länderübergreifend mit zweierlei Maß gemessen. Aus der Sicht eines Trainers, der die Verantwortung trägt, ist das eine Katastrophe.“

Was Backhaus damit meint: Durften die Ligakonkurrenten aus den anderen Bundesländern – genauso wie übrigens auch die Bundesliga-Reserve des FSV Mainz 05 – im November uneingeschränkt ihre Trainingseinheiten absolvieren, so mussten sich die Rot-Weiß-Kicker auf individuelle Einheiten beschränken. Der Koblenzer Coach überwachte die Daten der Läufe mit einer App. Alle hätten pro Woche 100 Kilometer abgespult, aber das runde Leder befand sich die ganze Zeit über im Ballsack. „Viele unserer Spieler stammen aus Nordrhein-Westfalen. Wenn neun von zehn Leuten aus dem Freundeskreis weiterhin spielen dürfen, ist das auch von der Motivation her schwierig“, gibt Backhaus zu bedenken.

Ab Dienstag, wenn die 13. Fassung der rheinland-pfälzischen Corona-Verordnung in Kraft tritt, dürfen nun auch die Koblenzer endlich wieder ihr Mannschaftstraining auf dem Oberwerth abhalten. Für die Zeit vor der Partie gegen die TSG Balingen am Samstag, 12. Dezember, auf eigenem Platz haben Backhaus und sein Co-Trainer Manuel Moral Fuster 15 Trainingseinheiten vorgesehen, an fünf Tagen soll es einen Doppelpack zur Mittagszeit und am frühen Abend geben. „Wenn sich die Mannschaft so lange nicht gesehen hat, musst du dich als Trainer ja fast wieder neu vorstellen. Gerade in unserer Situation, da wir im Sommer das Team fast komplett neu aufgestellt haben, ist das alles sehr schwierig.“

Immerhin ist es den Verantwortlichen von Rot-Weiß Koblenz gelungen, für Sonntag, 6. Dezember, 14 Uhr, ein Testspiel zu vereinbaren. Im Stadion Oberwerth empfängt der Vorjahresaufsteiger den FSV Frankfurt. „Das ist eine wichtige Gelegenheit, zumindest etwas wieder zusammenfinden“, sagt Backhaus, der trotz aller Herausforderungen in gewohnt kämpferischer Manier ankündigt: „Wir nehmen die Situation mit Herzblut und dem Messer zwischen den Zähnen an.“